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Datenbank bibliografieren

Erhalten Sie Hilfe bei der Anwendung juristischer Zitationsstile.

Datenbank bibliografieren

Postby Bebbi » 2016-01-25 22:02

Hallo,

ich habe eine Frage, die sich eher an die mitlesenden Juristen richtet:

https://service.citavi.com/kb/a908/42028-citavi-basis-stil-jura-de.aspx#Urteile_aus_Datenbank wrote:Urteile aus einer Datenbank

Wird ein Urteil nach einer Datenbank zitiert, wird diese als Fundstelle aufgenommen (z. B. juris). Lassen Sie die Felder Band/Jahrgang, Heftnummer und Jahr leer.


schlägt das vorgehen vor, dass ich auch gewählt habe. Aber: Gibt es bei den Juristen Konventionen, wie man Online-Datenbanken benennt?

[*]NRWEntscheidungen [nrwe.de]
[*]NRWEntscheidungen
[*]nrwe.de

wären Möglichkeiten die mir einfallen. Meine Sympathie gilt der ersten Variante, aber wie sind die Konventionen?

Grüße

Bebbi
Bebbi
Citavi Expert
 

Re: Datenbank bibliografieren

Postby Hans Siem Schweiger » 2016-01-26 12:35

Hallo Bebbi,

eine Konvention ist mir insoweit nicht bekannt, Ihre Variante 1 gefällt mir aber auch am besten, weil sie zum einen die selbst vorgeschlagene Bezeichnung NRWEntscheidungen und zum anderen den Kurzlink enthält, über den sie aufgerufen werden können.

Mit freundlichen Grüßen
Hans Siem Schweiger
Hans Siem Schweiger
Citavi Customer Service
 

Re: Datenbank bibliografieren

Postby Bebbi » 2016-01-27 01:24

Hallo Herr Schweiger,

danke für Ihre Antwort. Jetzt habe ich glatt das nächste Problem. Beim BverWG gibt es keine Name der online-Datenbank. z. B. http://www.bverwg.de/entscheidungen/ent ... U4C15.01.1 Da belasse ich es bei der URL.

Ich lasse das Thema mal offen, falls sich sonst noch jemand zu äußern möchte.

Grüße

Bebbi
Bebbi
Citavi Expert
 

Re: Datenbank bibliografieren

Postby Felix Magin » 2016-05-27 11:41

Hallo Bebbi, hallo Herr Schweiger

wenn ich keine andere Fundstelle finde oder finden möchte, würde ich einfach "www.bverwg.de" als Fundstelle aufnehmen und zusammen mit Entscheidungsdatum und Aktenzeichen zitieren. Dann kann jeder das Urteil recht einfach wiederfinden.
Die gesamte URL anzugeben ist zwar für den Leser bequemer, wenn Deine Arbeit in elektronischer Form eingesehen werden kann (Hyperlink oder Copy+Paste), in Druckform nimmt sie aber viel Platz weg, ohne einen rechten Nutzen zu bringen (schließlich käme kaum jemand auf die Idee, die gesamte URL abzutippen, man würde sowieso auf bverwg.de gehen und sich dann durchklicken).
Zudem birgt das Angeben der gesamten URL die Gefahr, dass sich die Seitenstruktur später einmal ändert und der Link dadurch seine Gültigkeit verliert. Eine meiner Dozentinnen empfiehlt daher, die Seite (bverwg.de) anzugeben und dann den "Klick-Weg", also "bverwg.de - Entscheidungen - Suchfeld". Und da man in diesem Fall auf den sehr intuitivien Weg verzichten kann, würde mir "www.bverwg.de" als Fundstelle genügen. Wie wenn man früher nach dem Weg gefragt hat: "Da vorne links, dann die zweite rechts, und ab da ist es ausgeschildert".

Aber eine wirkliche Konvention ist mir auch nur für juris und (kommt mir selten unter) für die BeckRS bekannt. Andere Datenbanken scheinen kaum genutzt oder jedenfalls kaum zitiert zu werden.

Ich hoffe, ich konnte Dir weiterhelfen.

Wenn jemand anderes meine Ausführungen ergänzen oder verbessern möchte, freue ich mich, wenn ich etwas lernen kann!

Liebe Grüße,

Felix
Felix Magin
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Re: Datenbank bibliografieren

Postby Bebbi » 2016-05-27 11:47

Hallo Felix,

danke für die Antwort. Wie sehen denn für die beiden die Konventionen aus?

Grüße

Bebbi
Bebbi
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Re: Datenbank bibliografieren

Postby Felix Magin » 2016-05-27 15:49

Hallo Bebbi,

entschuldige bitte, das hätte ich natürlich auch gleich dazu schreiben können.

Wenn man eine Entscheidung aus juris zitiert, macht man das für gewöhnlich so, wie juris einem das auch vorschlägt: mit Datum und Aktenzeichen, und danach ", juris". Eventuell fügt man auch die Art der Entscheidung dazu. Mögliche Ergebnisse sehen so aus:
  • BVerwG, Urteil vom 17. Dezember 2002 – 4 C 15/01 –, juris
  • BVerwG, Urt. v. 17. Dez. 2002 – 4 C 15/01 –, juris
  • BVerwG, 17.12.2002 – 4 C 15/01 –, juris
...wobei man natürlich die Darstellung des Datums noch beliebig variieren kann.

Allerdings schlägt selbst juris bei diesem von Dir angefragten Urteil nicht vor, "juris" dahinter zu schreiben, sondern stattdessen auf die amtliche Sammlung zu verweisen:
  • BVerwG, Urteil vom 17. Dezember 2002 – 4 C 15/01 –, BVerwGE 117, 287-304
So steht es bei juris drin, wiederum kannst Du das Datum und die Entscheidungsart beliebig variieren. Jetzt greift aber noch eine andere Konvention, die ich aber selbst nicht befolge, nämlich nur noch die Fundstelle zu zitieren:
  • BVerwGE 117, 287-304
Das liest sich zwar schön schlank und macht das Urteil eindeutig auffindbar, es kann aber passieren, dass ich Deinen Text lese und den eines anderen Autoren, und der andere zitiert:
  • BVerwG, NVwZ 2003, 733
Woher soll ich dann wissen, dass es dasselbe Urteil ist? Zumal es ja immer noch arme Menschen geben soll, die keinen Zugang zu juris haben und auch keine Universitätsbibliothek in der Nähe, um das Urteil nachzuschlagen...daher halte ich eine Zitierung mit Datum und Aktenzeichen für sehr sinnvoll, jedenfalls bei der ersten Nennung. Bei wiederholter Zitierung nenne auch ich nur noch die Fundstelle und die Erste Fn.-Nummer.

Bei den BeckRS bin ich mir nicht ganz sicher, weil man das wirklich selten sieht. Ich meine aber, mich zu erinnern, dass es da ganz ähnlich abläuft: Gericht, Datum, Aktenzeichen, und dann die Fundstelle. Konkret also beispielsweise:
  • BVerwG, Urteil vom 17.12.2002 - 4 C 15/01 -, BeckRS 2003, 20898
Wiederum mit etlichen Variationsmöglichkeiten.

Noch eine Variante ist mir gerade untergekommen, als ich - um keinen Unsinn zu erzählen - nochmal die Zitation der BeckRS im Internet gesucht habe: Die Zitierregeln des Instituts für geschichtliche Rechtswissenschaft der Uni Heidelberg sagen auf Seite 10, dass man gar keine Fundstelle angeben müsse, wenn man die Website des Gerichts zitiert. Für Dein BVerwG-Urteil würde diesem Lehrstuhl also schon Datum und Aktenzeichen reichen.
Die große Krux juristischer Zitierung ist aber in den ersten Sätzen dieser Zitierregeln ausgezeichnet ausgedrückt:
Die nachfolgenden Ausführungen sind keine konzertierten Regeln der Juristischen Fakultät der Universität Heidelberg. Es handelt sich vielmehr um einen Leitfaden des Lehrstuhls.


Wenn in Heidelberg bereits jeder Lehrstuhl andere Zitierregeln hat, ist es unmöglich, eine "richtige" Zitierung zu finden und daher unsinnig, das zu versuchen. Sie sollte eindeutig sein und dem Leser die Recherche so einfach wie möglich machen. Alles darüber hinaus bleibt Geschmackssache.

Grüße,

Felix
Felix Magin
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Re: Datenbank bibliografieren

Postby Bebbi » 2016-05-27 16:10

Hallo Felix,

danke für die ausführliche Antwort. Ich würde immer für Fundstelle das, wo ich es wirklich her habe ... ist das so üblich oder arbeite ich mich möglichst weit ran an das Gericht z. B.?

Grüße

Bebbi
Bebbi
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Re: Datenbank bibliografieren

Postby Felix Magin » 2016-05-27 17:04

Hallo Bebbi,

die Frage verstehe ich leider nicht...wie meinst Du das?

Felix
Felix Magin
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Re: Datenbank bibliografieren

Postby Bebbi » 2016-05-27 17:34

Hallo Felix,

Ich würde immer die Quelle angeben, die ich wirklich verwendet habe. Wenn ich juris verwende, aber die amtliche Sammlung angebe, breche ich ja mit der Regel:

Felix Magin wrote:Allerdings schlägt selbst juris bei diesem von Dir angefragten Urteil nicht vor, "juris" dahinter zu schreiben, sondern stattdessen auf die amtliche Sammlung zu verweisen:
  • BVerwG, Urteil vom 17. Dezember 2002 – 4 C 15/01 –, BVerwGE 117, 287-304


Richtig verwirrte mich dann, dass die Fundstelle nicht die Quelle ist, sodern quasi der "Ursprung":
Felix Magin wrote:So steht es bei juris drin, wiederum kannst Du das Datum und die Entscheidungsart beliebig variieren. Jetzt greift aber noch eine andere Konvention, die ich aber selbst nicht befolge, nämlich nur noch die Fundstelle zu zitieren:
  • BVerwGE 117, 287-304
Das liest sich zwar schön schlank und macht das Urteil eindeutig auffindbar, es kann aber passieren, dass ich Deinen Text lese und den eines anderen Autoren, und der andere zitiert:
  • BVerwG, NVwZ 2003, 733
Woher soll ich dann wissen, dass es dasselbe Urteil ist? Zumal es ja immer noch arme Menschen geben soll, die keinen Zugang zu juris haben und auch keine Universitätsbibliothek in der Nähe, um das Urteil nachzuschlagen...


Grüße

Bebbi
Bebbi
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Re: Datenbank bibliografieren

Postby Felix Magin » 2016-05-27 18:13

Hallo Bebbi,

vielleicht wird es etwas klarer, wenn man sich vor Augen hält, warum man nach Fundstellen zitiert. Letztlich spielen hier verschiedene Interessen ineinander: Eindeutigkeit, Auffindbarkeit, Fehlerfreiheit, Lesbarkeit und zuweilen die finanziellen Interessen des Herausgebers.

  • Für die Eindeutigkeit wäre es ausreichend, einfach immer nur nach Aktenzeichen zu zitieren.
  • Für die Auffindbarkeit wäre es am besten, eine möglichst weit verbreitete Zeitschrift (bzw. heutzutage eine kostenlos zugängliche Internet-Datenbank wie bverwg.de) zu nennen. Viele Zeitschriften veröffentlichen aber nicht das ganze Urteil, sondern nur das, was sie für das Wichtigste halten. Daher wäre für eine vollständige Auffindbarkeit die amtliche Sammlung (oder eben die Datenbank) das sinnvollste.
  • Für die Fehlerfreiheit wäre es am sinnvollsten, so viele Angaben wie möglich zu machen.
  • Die Lesbarkeit leidet häufig unter Aktenzeichen oder URLs, eine Zitierung nach Datum oder Fundstelle ist (jedenfalls für mich) leichter zu merken - wenn man keinen "Trivialnamen" hat, wie "Cassis-de-Dijon-Urteil".
  • Das finanzielle Interesse des Herausgebers führt zuweilen dazu, dass man bei Parallelveröffentlichungen bestimmte Fundstellen bevorzugen muss: So schreiben die NJW-Autorenhinweise vor, dass man (ggf. zusätzlich zur amtlichen Sammlung) NJW-Fundstellen bevorzugen muss.

Ab und an kommen dann auch noch ein Seitenlimit oder sonstige Platzspar-Motivationen dazu.

Die Mode, bei amtlichen Sammlungen nur noch die Fundstelle zu nennen, ist bei den Juristen schon sehr alt, man findet sie schon bei Entscheidungen des Preußischen Oberverwaltungsgerichts (und vermutlich auch bei anderen Gerichten aus der Zeit, aber von denen habe ich noch nichts gelesen). Zunächst mal macht es Sinn, dass man nicht "BVerwG, BVerwGE 117, 287" schreiben will, weil das redundant ist: In BVerwGE werden ja nur BVerwG-Entscheidungen veröffentlicht (drum heißen sie ja so). Dasselbe galt schon für die PrOVGE und für fast alle anderen amtlichen Sammlungen (es gibt Sammlungen, in denen mehrere Gerichte veröffentlichen, meist OLGe). Sobald man also Datum und Aktenzeichen weglassen will, ist es fast immer sinnlos, bei einer amtlichen Sammlung noch den Namen des Gerichts aufzuführen. Nun weiß ich nicht, wie vor über 100 Jahren die Situation auf dem juristischen Zeitschriftenmarkt war, aber ich kann mir vorstellen, dass es für viele Entscheidungen ohnehin kaum eine andere Quelle gab als die amtliche Sammlung. Dann brauche ich aber auch Datum und Aktenzeichen nicht mehr, denn die Angabe ist eindeutig und auffindbar, so fehlerfrei wie möglich und ganz gut lesbar. Vermutlich ist diese Zitierkonvention eine Art "Petersburger Schneeglöckchen": längst überholt, aber immer noch in Gebrauch (vgl. http://gutenberg.spiegel.de/buch/gedanken-und-erinnerungen-band-1-1130/13, unter Absatz II am Ende).
Kurzer Exkurs: In Frankreich ist es heute noch oft üblich, eine Entscheidung nur mit dem Datum zu zitieren - obwohl das manchmal über 20 mögliche Ergebnisse hat.

Ich halte Präzision, Auffindbarkeit und Wiedererkennungswert für wichtiger als Platzsparen - aber das kann man natürlich auch anders gewichten. Außerdem möchte ich mich an der Verbreitung des ECLI beteiligen, sodass ich den dann auch noch immer mit angebe - meine Fußnoten sind dafür aber echt hässlich lang...


Konnte ich Deine Verwirrung etwas beheben?

Gruß,

Felix
Felix Magin
Citavi Expert
 

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